In einem Seitenarm liegt das Örtchen Ulvik unter den bis zu 1.400 Meter hohen Bergen. Die „Vasco da Gama“ liegt auf Reede, also vor dem Hafen vor Anker. Tenderboote bringen die Seereisenden an Land. Bäume mit gelbgrünen und rotbackigen Äpfeln säumen die Obst- und Cider-Route. Drei Obstbauern gibt es im Dorf. Einer von ihnen ist Nils Lekve. Vor mehr als 20 Jahren eröffnete er seine „Hardanger Saft- og Siderfabrikk“. „Früher haben wir auch Birnen und Pflaumen auf unseren sechs Hektar Land angebaut, inzwischen nur noch Äpfel“, berichtet er: „Unsere Hauptsorten sind Gravensteiner, Summerred und Aroma. Sie sind ideal, um daraus Apfelsaft-Spezialitäten und weitere Getränke herzustellen.“
Auf hoher See und durch die Fjorde bis nach Bergen fahren
Skandinavische Meeresluft
Veröffentlicht am 21.07.2026 | 3 Minuten Lesedauer
Die „Vasco da Gama“ ist kein brandneues Hochseeschiff, dafür geht es bei nur 1.000 Passagierinnen und Passagieren fast familiär an Bord zu. In Norwegen darf sie Fjorde befahren, die größeren Kreuzfahrtlinern verwehrt bleiben. Bei Landgängen können Urlauberinnen und Urlauber das ursprüngliche Skandinavien entdecken.
„Leinen los!“, heißt es am Ostseekai in Kiel, denn die „Vasco da Gama“ ist bereit zum Auslaufen. Eine Woche Südnorwegen lautet das Programm der Schiffsreise. Kapitän Adrian Firsov manövriert das „schwimmende Hotel“ durch die Kieler Förde hinaus auf die Ostsee. Das nach dem portugiesischen Seefahrer benannte und mehr als 30 Jahre alte Kreuzfahrtschiff gehört nicht zu den großen Pötten. Die geräumigen Kabinen verteilen sich über fünf Decks. Außerdem gibt es fünf Restaurants, mehrere Bars und die „Hollywood’s Show Lounge“ mit täglich wechselnden Vorstellungen. Wer es sportlich mag, geht ins Fitness-Center oder schwimmt eine Runde im Pool.
Einblicke in Geschichte
Durch den Öresund nimmt Kapitän Adrian Firsov Kurs Richtung Kattegat und Skagerrak. Ab Letzterem wird es unruhiger unterm Kiel. Kristiansand ganz im Süden Norwegens ist das Ziel. Nach 150 Seemeilen fährt das Schiff in den Gandsfjord in der Provinz Rogaland ein. Rund um die Øvre Strandgate in Stavangers Altstadt leuchten schmucke, weiß getünchte Holzhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Mittendrin steht das „Iddis“, das Norwegische Grafik- und Konservenmuseum. Statt „Etikett“ wurde früher im Raum Stavanger umgangssprachlich das Wort „Iddikett“ benutzt, das später zu „Iddis“ verkürzt wurde. In einem ehemaligen Fabrikgebäude wird gezeigt, wie Sprotten – auch „Norwegische Sardinen“ genannt – in die Büchse kamen. Für eine bessere Vermarktung benötigte man ansprechendes Briefpapier, Kataloge und für die Dosen sowie Verpackungen farbige „Iddis“. Das war der Grundstein für ein umfangreiches Druckgewerbe.
1969 wurde das erste Ölfeld „Ekofisk“ in der Nordsee entdeckt. Erdöl und Erdgas machten Norwegen zu einem der wohlhabendsten Länder der Welt. Die Architektur des „Norwegischen Erdölmuseums“ erinnert an eine Bohrplattform in der Nordsee. Anhand von Schautafeln, Filmen und interaktiven Spielen erfahren Besucherinnen und Besucher, welche geologischen Entwicklungen zum „schwarzen Gold“ führten. Gäste können in die Zeit der ersten Probebohrungen eintauchen und lernen dadurch die Herausforderungen kennen, die erforderlich sind und waren, um fossile Rohstoffe aus dem rauen Meer zu fördern. Der Klimawandel und die Frage, wie lange die Ressourcen der Nordsee noch reichen werden, sind weitere Themen, die zum Nachdenken anregen.
Weiter geht es mit einem Abstecher in den mit 180 Kilometern zweitlängsten Fjord des Landes, den Hardangerfjord.
Entlang des Hardangerfjords, dem zweitlängsten Fjord Norwegens, gibt es viel zu bestaunen.
Deutsche Kontore
Die letzte Station auf der Reise heißt Bergen. „Europas regenreichste Stadt“, sagt Gästeführerin Jeana Grzendek: „2020 fertigte man zur 950-Jahr-Feier sogar einige Kanaldeckel mit gusseisernen Regentropfen an.“ Doch beim Blick vom Hausberg Fløyen glitzert die Sonne im Wasser des Byfjords. Hauptattraktion sind die buntgestrichenen Holzhäuser des einstigen Handelszentrums „Bryggen“. „Es war ein Außenposten deutscher Hansekaufleute“, erklärt Jeana Grzendek: „1349 kam die Pest nach Bergen. Aufgrund des daraus resultierenden Männermangels erhielten deutsche Kaufleute das Privileg, in Bergen ein Kontor zu gründen. Sie blieben 400 Jahre.“
Vom Stadtzentrum in Bergen fährt seit 1918 eine Standseilbahn auf den 320 Meter hohen Hausberg Fløyen.
Sie exportierten Stockfisch, Lebertran und Rogen von den Lofoten nach ganz Europa und brachten Getreide, Salz, Gewürze, Bier, Wein sowie Textilien ins Land. 1702 legte ein Feuer die Höfe in Schutt und Asche. Bryggen wurde im alten Stil wiedererrichtet. Leider folgten weitere Brände und Abrisse. Heute gehören noch rund 60 Gebäude zum UNESCO-Weltkulturerbe, in denen sich kleine Läden, Kunstateliers, Handwerksbetriebe und Büros befinden. Im Hanseatischen Museum und in den Schøtstuben wird die Geschichte dieses historischen Stadtteils präsentiert.
Der Weg zurück über die Nordsee bis Hamburg ist weit. 460 Seemeilen bedeuten 38 Stunden Seefahrt. Die Nordsee ist rau. Die „Vasco da Gama“ knarzt, ächzt und schaukelt. Manch einer Passagierin oder einem Passagier könnte dabei im Traum der portugiesische Seefahrer erschienen sein, der vor rund 530 Jahren das Kap der Guten Hoffnung umsegelte und den Seeweg nach Indien entdeckte.
Dagmar Krappe reiste in den Süden Norwegens
Die „Vasco da Gama“ lief 1992 als MS „Statendam“ vom Stapel. 2019 erhielt das Schiff den jetzigen Namen. Seit 2021 bietet der Stuttgarter Kreuzfahrtspezialist „nicko cruises“ Fahrten über die Weltmeere an. Informationen auch zu den Routen gibt es unter nicko-cruises.de.
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