Weiter geht es auf die östliche Seite des Jadebusens. Entlang des Ufers ist immer der rot-weiße Leuchtturm Arngast ein Blickfang. Seit 1910 dient er Schiffen zur Orientierung in der Meeresbucht. Der Leuchtturm Oberfeuer Preußeneck auf dem Deich in Eckwarderhörne wurde hingegen schon 2012 nach 50 Jahren außer Dienst gestellt und steht heute unter Denkmalschutz. Mit dem zugehörigen Unterfeuer im Watt wies er Schiffen den Weg nach Wilhelmshaven. Nach Errichtung des Containerterminals musste das Fahrwasser angepasst werden. Deshalb waren neue Seezeichen erforderlich. „Durch das Engagement einer Bürgerinitiative konnte das alte Oberfeuer gerettet werden“, berichtet Lutz Timmermann, Vorsitzender der „Stiftung Oberfeuer Preußeneck“, die den Turm inzwischen betreibt. Eine offene Wendeltreppe führt zwischen vier roten Stahlrohrbeinen hinauf zu zwei Aussichtsplattformen.
Imposantes Farbenspiel der Wattlandschaft
Rund um den Jadebusen
Veröffentlicht am 02.06.2026 | 3 Minuten Lesedauer
Zwischen Wilhelmshaven und der Halbinsel Butjadingen in Niedersachsen liegt eine 190 Quadratkilometer große Meeresbucht. Wer sie umrundet, entdeckt spannende Orte und eine beeindruckende Natur. Diese war bereits Vorlage für viele Kunstwerke.
Wilhelmshaven ist die größte Stadt am Jadebusen. Die Kaiser-Wilhelm-Brücke ist ihr Wahrzeichen. König Wilhelm I. von Preußen, der spätere Deutsche Kaiser, gab der Siedlung ihren Namen, als er 1869 den Marinehafen einweihte. Bis ins Mittelalter war die Gegend noch ein Hochmoor. Verheerende Sturmfluten sorgten dafür, dass sich an der Nordseeküste durch Ausspülung eine große Bucht bildete. Mittels Eindeichungsmaßnahmen erhielt sie schließlich ihre jetzige Form.
Die Kaiser-Wilhelm-Brücke wurde 1907 eingeweiht. Sie hat eine Spannweite von 159 Metern.
Seit 2012 spielt auch der Tiefwasserhafen „JadeWeserPort“ eine wirtschaftliche Rolle. Dort können – im Gegensatz zum Hamburger Hafen – die größten Containerschiffe gezeitenunabhängig und vollbeladen anlegen. An der „Maritimen Meile“ am Südstrand entwickelte sich aus einer privaten Initiative heraus das Deutsche Marinemuseum, das die Geschichte der Seestreitkräfte von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart präsentiert. Direkt gegenüber befindet sich das Wattenmeer Besucherzentrum. Das Wattenmeer zählt zum UNESCO-Weltnaturerbe. Auf drei Etagen tauchen die Besucherinnen und Besucher anhand von Fotos, Filmen, Hör- oder Mikroskopstationen in die Welt von Meer und Küste ein. „Die Wattregionen der Nordsee sind die größten der Erde. Sie reichen von Den Helder in den Niederlanden entlang der gesamten deutschen Nordseeküste bis ins dänische Esbjerg“, informiert Lennart Barke, im Haus zuständig für Bildungsarbeit. Unter der Decke schwebt ein 14 Meter langes Skelett eines Pottwals mit plastinierten Organen. Leben im Watt und in den Salzwiesen, Ebbe und Flut, Zugvögel, industrieller Fischfang, Müll im Meer sind weitere Themen der interaktiven Ausstellung.
Meister der Farben
Einige Kilometer weiter südlich liegt das Nordseebad Varel-Dangast. Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckten Mitglieder der in Dresden gegründeten Künstlergemeinschaft „Brücke“ die kontrastreiche Landschaft unter dem weiten Himmel für sich als Inspiration für ihre Werke. Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel, Max Pechstein und weitere Maler waren ergriffen von den Lichteffekten über dem Watt, vom Grün der Wiesen und Deiche sowie vom Rot der Backsteinhäuser und Ziegeldächer. „Ein idealer Ort für die Meister der Farbe, die Expressionisten“, erläutert Gästeführer Karl-Heinz Martinß entlang des Dangaster Kunstpfads, der zu Ehren der Maler angelegt wurde: „Auf Empfehlung von Karl Schmidt-Rottluff kam 1921 auch Franz Radziwill nach Dangast“, sagt Martinß: „Dieser war so begeistert, dass er nach zwei Jahren eine Fischerkate in der heutigen Sielstraße kaufte.“ Der gelernte Maurer erweiterte das Gebäude um ein Atelier. Sein Malstil entwickelte sich vom gefühlsbetonten Expressionismus zum „Magischen Realismus“. Er vermischte die Wirklichkeit mit visionären und surrealistischen Elementen. Im „Franz Radziwill Haus“ werden bis heute jährlich wechselnde Ausstellungen gezeigt.
Der Leuchtturm Oberfeuer Preußeneck in Eckwarderhörne wies von 1962 bis 2012 Schiffen den Weg.
Watt und Salzwiesen
Ganz oben im Norden der Halbinsel zwischen dem Dorf Langwarden und dem Kutterhafen Fedderwardersiel erstreckt sich der Langwarder Groden. Seit Anfang der 1930er-Jahre war das dem Meer abgerungene Marschland durch einen Deich zum Schutz vor Überflutungen vom Fluss der Gezeiten getrennt. „Durch den Bau des ‚JadeWeserPorts ‘ und Verstärkung von Hauptdeichen am Jadebusen änderte sich das Landschaftsbild. Laut Naturschutzgesetz muss für derartige Beeinträchtigungen eine Ausgleichsfläche geschaffen werden“, erklärt Lutz Timmermann. Also wurde der Vordeich am Groden geöffnet. Seitdem kann bei Flut wieder ungehindert Salzwasser eintreten.
Ein Bohlensteg führt durch den Langwarder Groden. Bei Flut sind die Salzwiesen mit Meerwasser bedeckt.
Watt und Salzwiesen entwickeln sich neu. Auf Holzstegen und -brücken stehen Besucherinnen und Besucher mittendrin in der Dynamik der Gezeiten. Bei Hochwasser wirken Teile des Renaturierungsgebiets wie ein großer See. Sechs Stunden später, bei Niedrigwasser, entpuppt sich dieselbe Fläche als eine grau-braune Mondlandschaft. Grünes Andelgras, Queller, Melden und rosa blühender Strandflieder, die vor kurzem noch von Wasser umspült waren, machen aus Meer plötzlich Land. Faszinierend!
Bei Ebbe wirkt der Langwarder Groden wie eine Mondlandschaft.
Dagmar Krappe erkundete Niedersachsen
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