Schiff ahoi! Mit dem Hausboot über Deutschlands Seenland

Rein ins „Blaue Paradies“

Veröffentlicht am 25.03.2026 | 3 Minuten Lesedauer

Ein Panorambild: Ein Blick auf Waren mit dem ErlebnisZentrum Müritz, eingebettet in der Seenplatte.
Blick auf Waren mit dem NaturErlebnisZentrum Müritz. Foto: TMV/Gänsicke

Wasser, wohin man sieht: Deutschlands Seenland begeistert mit mehr als 5.000 Seen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Viele davon sind durch Kanäle und Flüsse wie die Havel miteinander verbunden. Ein echtes Paradies für Naturbegeisterte und Wassersport-Fans. Die schönste Art, das Seenland kennenzulernen, ist von Bord eines Hausboots aus.

„Ein Bootsführerschein wird dafür nicht benötigt“, informiert Yvonne Schön vom Anbieter Riverly. Das Unternehmen vermietet bis zu 15 Meter lange Hausboote für Touren in der Region. Die Typen Penichette und Cruiser lassen sich auch von Anfängerinnen und Anfängern problemlos steuern. „Nach einer kurzen Einweisung kann es losgehen“, sagt Yvonne Schön. „Sind die Leinen gelöst, reist man im eigenen Rhythmus und ist der Natur ganz nah.“

Mehrere weiße Hausboote des Anbieters Riverly liegen im Hafen.
Foto: Riverly

Fertig zum Ablegen: Führerscheinfreie Hausboote versprechen besondere Urlaubserlebnisse.

Urlaub auf dem Hausboot ist im deutschen Seenland – auch als das „Blaue Paradies“ bekannt – ein besonderer Genuss. Relaxen auf dem Deck, ins kühle Nass der klaren Seen springen, von Bord Fischotter, Eisvögel, Reiher und mit etwas Glück auch See- und Fischadler sowie Kraniche beobachten – alles inklusive!

Besonderes Postamt und kluge Idee

Bei Landgängen locken zahlreiche Entdeckungen – sogar ein Besuch beim Weihnachtsmann. Im Weihnachtspostamt von Himmelpfort am Stolpsee, einem Ortsteil der Stadt Fürstenberg, gehen jährlich rund 300.000 Wunschzettel ein. Statt mit einem von Rentieren gezogenen Schlitten kommt der himmlische Geselle rechtzeitig vor dem Fest per Solarboot nach Himmelpfort, um alle Briefe zu beantworten und seine zahlreichen Besucherinnen und Besucher zu empfangen.

Eine Perle der brandenburgischen Uckermark ist Lychen. Das Flößereimuseum erinnert an die Vergangenheit der 3.100 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Stadt, in der eine Erfindung gemacht wurde, die heute aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken ist. Der Uhrmacher Johann Kirsten war seine Zettelwirtschaft leid. Um Ordnung zu schaffen, kam ihm 1903 die Idee der Pinne, besser bekannt als Heftzwecke oder Reißnagel. An diese Erfindung erinnern beim Stadtrundgang überdimensionale Pinnen, die durch die Geschichte Lychens führen.

Weiter geht die Reise nach Priepert. Ein Fischbrötchen muss bei diesem Stopp unbedingt sein. Nach dem Anlegen des Hausboots im Yachthafen geht es mit den an Bord befindlichen Bikes oder den per App flächendeckend in ganz Mecklenburg-Vorpommern ausleihbaren MV-Rädern zum Ahrensberger Fischereihof. Das ideale Ziel für alle, die in idyllischer Umgebung Räucherfisch genießen wollen. „Wir fangen und servieren hier alles, tun dies aber nachhaltig“, informiert Berufsfischer Wolfgang Bork, „von Aal bis Zander ist alles dabei, am beliebtesten ist aber der Saibling.“

Schräge Herzöge, mächtige Witwen

Das nächste Ziel Mirow liegt inmitten einer bezaubernden Wald- und Seenlandschaft. Im Schloss werden Erinnerungen an einst dort lebende schräge Herzöge, mächtige Witwen und Prinzessinnen, die zu Königinnen wurden, wach. Vor dem Besuch heißt es aber erstmal Schuhe putzen. „Zum Schutz der Fußböden“, klärt eine Mitarbeiterin auf. Heute erfolgt die Sohlenreinigung maschinell, früher gab es im rund 90 Personen umfassenden Hofstaat speziell dafür zuständiges Personal. Das diente unter anderem Prinzessin Charlotte, die 1761 nach ihrer Hochzeit mit Georg III., dem König von Großbritannien, zur Queen wurde.

Schloss Mirow ist ein kleines Schatzkästchen auf einer idyllischen Insel der Mecklenburgischen Seenplatte. Es hat eine hellgelbe Fassade, ist 2 Etagen hoch und hat ein braunes Dach.
Foto: TMV/Tiemann

Schloss Mirow, ein Schatzkästchen auf einer idyllischen Insel der Mecklenburgischen Seenplatte.

Wer seine Reise in Berlin, Rheinsberg oder Fürstenberg startet, kann mit dem Hausboot über die Müritz schippern. Der Name des größten, komplett in Deutschland liegenden Sees, leitet sich aus dem Slawischen ab und steht für „kleines Meer“. Als solches gebärdet sich die knapp 18 Kilometer lange und bis zu zehn Kilometer breite Müritz, wenn kräftiger Wind für hohen Wellengang sorgt. Dann gelten auch für Hausboote besondere Regeln. Keine Frage: Sicherheit geht vor. Deshalb gilt ab Windstärke vier für alle Hausboote, die ohne Führerschein gefahren werden können: Hafenpause.

Bunte Stadt am kleinen Meer

Lebhaft geht es in Waren zu, dem touristischen Hotspot der Müritz. Urlauberinnen und Urlauber entspannen in den Straßencafés oder flanieren durch die Fußgängerzone. Wen es in die Natur zieht, der kann eine Rangerführung buchen. Im Müritz-Nationalpark ist fast rund um die Uhr viel zu erleben – vom morgendlichen Start der Kraniche in den Tag über das abendliche Konzert der Hirsche bis zum nächtlichen Streifzug der Fledermäuse.

Auf dem Bild sind drei Kraniche zu sehen. Der Kranich in der Mitte breitet seine Flügel aus.
Foto: TMV/Hardt

Zu den besonderen Erlebnissen in Deutschlands Seenland gehört die Beobachtung von Kranichen.

Auch Röbel, das den Beinamen „Die bunte Stadt am kleinen Meer“ trägt, ist einen Halt wert. „Bei der Sanierung des Ortskerns erhielten die Häuser einen Anstrich in ihren Originalfarben“, erzählt Karsten Thorun von der Tourist-Info. Das so entstandene farbenprächtige Häuserensemble wird überragt von der St.-Marien-Kirche. Über eine abenteuerliche Wendeltreppe geht es in deren Turm vorbei an den Glocken nach oben. Ein herrlicher Blick über die Müritz belohnt den Aufstieg. Auch das im Hafen liegende Hausboot ist zu erkennen und bereit für weitere Entdeckungen im „Blauen Paradies“.

Informationen zum Hausbootverleih auf der ­Deutschen Seenplatte gibt es unter anderem unter locaboat.com.

Paul Herbinger stach im Urlaub als Kapitän in See

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