Trenčín ist Europäische Kulturhauptstadt 2026

Neugier wecken & Brücken bauen

Veröffentlicht am 02.02.2026 | 3 Minuten Lesedauer

Die Stadt Trenčín von oben, im Hintergrund ist die Burg zu sehen und der Fluss Waag durchfließt die Stadt.
Die Lage an der Waag machte Trenčín schon früh zu einer wichtigen Festungs- und Handelsstadt. Foto: Trenčín 2026 - Patrik Zak

Hoch oben über Trenčín thront eine mittelalterliche Festung: Das Wahrzeichen der mehr als 55.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden Gemeinde spielt auch im Kulturhauptstadtjahr 2026 eine wichtige Rolle. Doch die westslowakische Stadt am Fluss Waag hat weit mehr zu bieten – und lockt das ganze Jahr über mit attraktiven Veranstaltungen.

Die majestätische Burg, die über Trenčín thront und vom zentralen Friedensplatz aus gut zu sehen ist, diente über Jahrhunderte hinweg als ungarische Königsburg. Im Jahr 1663 wäre die von drei Verteidigungsmauern umgebene Festung beinahe erobert worden. „Die Türken hatten zwei der drei Verteidigungsanlagen bereits überwunden“, berichtet Dr. Tomáš Michalík. Er ist nicht nur Stadtführer, sondern auch stellvertretender Leiter des Trenčíner Museums sowie Archäologe und Jurist.

Die Zeiten haben sich geändert: Im Jahr 2026 steht die Burg allen offen. Von Freitag, 6. Februar, bis Ende August werden dort zeitgenössische Werke von bildenden Künstlerinnen und Künstlern aus der Türkei gezeigt, die von Ekmel Ertan, einem Kurator aus Istanbul, ausgewählt wurden. Dass orientalische Kunst einer der Schwerpunkte des Kulturhauptstadtjahres ist, knüpft an eine Legende aus der Zeit der Türkenkriege an. Angeblich hatte Burgherr Stephan Zapolya eine türkische Frau namens Fatima gefangengenommen, die mit ihrem Landsmann Omar verlobt war. Um seine geliebte Fatima wieder zu befreien, grub Omar für den Burgherren mehrere Jahre lang im felsigen Untergrund nach Wasser.

Abgebildet ist die Burg oberhalb von Trencin, eine mittelalterliche Festung aus grauem Gemäuer.
Foto: Rainer Heubeck

Wahrzeichen der Stadt: Die Festung oberhalb von Trenčín hielt fast 1.000 Jahre lang den meisten Angreifern stand.

Eine Brücke der Begegnung

Blickt man auf der Westseite der Trenčiner Burg durch die Schießscharten, entdeckt man im Tal die Fiesta-Brücke. Die stillgelegte Eisenbahnbrücke über den Fluss Waag soll 2026 zu einer Brücke der Begegnung werden. Ihr Umbau ist eines der teuersten Projekte im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres, für das insgesamt 25 Millionen Euro für Veranstaltungen und zusätzlich 40 Millionen Euro für Verbesserungen der Infrastruktur zur Verfügung stehen.

Brücken bauen – symbolisch wie real – das zeichnet das Programm des Kulturhauptstadtjahres aus. Sei es, dass Künstlerinnen und Künstler aus Japan zu Gast sind, oder sei es, dass sich Nachbarschaften näher kennenlernen, indem sie gemeinsam stricken oder gärtnern. Auch in der renovierten Synagoge der Stadt werden kulturelle Brücken geschlagen. Das prächtige Jugendstil-Bauwerk aus dem Jahr 1913 verbindet den Stil des Art Nouveau mit byzantinischen Elementen und wurde erst 2025 erneut als Synagoge geweiht.

Auf den Spuren der ungarischen Königskrone

Durch das einzige erhaltene Tor im 32 Meter hohen Stadtturm gelangen Besucherinnen und Besucher auf den Friedensplatz. „Der Friedensplatz hatte schon viele Namen“, berichtet Dr. Tomáš Michalík. Nach der Gründung der Tschechoslowakei wurde er Masaryk-Platz genannt und in der Zeit des Sozialismus hieß er Stalinplatz. Ein auffälliges Bauwerk auf dem Platz ist die Pestsäule aus dem Jahr 1712. Das frühe 18. Jahrhundert war die schlimmste Epoche für die Stadt Trenčín, die in dieser Zeit ständig belagert wurde und mehrere Pestepidemien durchlitt, erzählt Dr. Tomáš Michalík.

Am südlichen Rand des Friedensplatzes befindet sich ein Gebäude, in dem die Stephanskrone, die ungarische Königskrone, im Jahr 1622 für mehrere Monate aufbewahrt wurde. Ein örtlicher Kunsthandwerker ließ sich davon inspirieren und fertigte eine filigrane Kopie der Krone an. Diese kann im Untergeschoss des Schmuckgeschäfts Mikuš Diamonds am Friedensplatz bewundert werden.

Abgebildet ist der Friedensplatz, ein Teil der frühbarocken Piaristenkirche ist zu sehen und daneben noch ein weiteres Gebäude mit hellgelber Fassade.
Foto: Rainer Heubeck

Am prachtvollen Friedensplatz finden sich viele sehenswerte Gebäude, darunter die frühbarocke Piaristenkirche.

Buntes Kulturprogramm

„Wir wecken Neugier“ – so lautet das Motto des Kulturhauptstadtjahres 2026. Die Auftaktveranstaltung in der slowakischen Regionshauptstadt ist von Freitag, 13., bis Sonntag, 15. Februar, geplant. Danach geht es Schlag auf Schlag: Im März folgen Community-Events und im April ein Lichtkunst-Festival, im Mai der City-Markt Korzo, im Juni ein Festival der jüdischen Kultur und eine Bootsregatta auf dem Fluss Waag, im Juli eine Mode-Akademie und ein „Food and Dining Festival“, im August die Eröffnung einer Ausstellung zum Thema „Globale Gerechtigkeit“, im September dann das Fiesta-Festival auf der Fiesta-Brücke, im Oktober Architekturtage und ein Theaterfestival und im November eine Ausstellung zum Thema nachhaltige Mode.

Rainer Heubeck gibt einen Ausblick auf das Programm

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