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Unterwegs mit dem Fahrrad von Wien nach Triest

Grenzenloses Vergnügen

Veröffentlicht am 30.04.2026 | 4 Minuten Lesedauer

Entlang des Karstgebirges geht es hinunter ans Meer. Foto: PromoTurismo FVG/Marco Milani

Wer bei einer Reise nach Österreich an sehenswerte Städte, hohe Berge und klare Seen denkt, liegt definitiv richtig. Doch unser Nachbarland hat noch mehr zu bieten. Fast 500 Jahre lang, bis 1918, war das heute zu Italien gehörende Triest der Mittelmeerhafen des Habsburger Reiches. Die Verbindung von Wien nach Triest war von großer Bedeutung und lässt sich heute auf einer erlebnisreichen Radtour erfahren.

Über rund 550 Kilometer führt die Strecke, die gut in acht Etappen zu bewältigen ist, von der Donau an die Adria. Am entspanntesten ist das mit dem E-Bike. Bei Distanzen von 60 bis 80 Kilometern pro Tag bleibt genügend Zeit für die zahlreichen Höhepunkte unterwegs.

Im Ranking der Zeitung „The Economist“ über die „lebenswerteste Stadt der Welt“ belegt der Startpunkt Wien seit Jahren vordere Plätze. Ob Stephansdom, Hofburg, Schloss Belvedere oder der Naschmarkt – an Sehenswürdigkeiten herrscht kein Mangel. Dank eines guten Radwegenetzes lässt sich Wien auch gut auf zwei Rädern erkunden.

Im 12. Jahrhundert entführte der österreichische Herzog Leopold V. den englischen König Richard Löwenherz. Mit dem erpressten Lösegeld wurde 50 Kilometer südlich der Metropole die Stadt Wiener Neustadt errichtet. Das ist auch das Ziel der ersten Radetappe, die am Thermenradweg entlang des Wienerwaldes von Weinort zu Weinort führt.

Entspannt auf den Semmering

Der Weg an die Adria folgt weitgehend der berühmten Südbahn. Die Eisenbahnlinie verband ab 1857 durchgehend Wien direkt mit Triest, führt dabei durch die für die Habsburgermonarchie bedeutenden Städte Graz, Maribor und Ljubljana. Um diese Strecke realisieren zu können, wurde mit der Semmeringbahn, die erste Gebirgsbahn der Welt gebaut.

Es lohnt sich in Wiener Neustadt mit den Rädern in die Semmeringbahn zu steigen und die Fahrt auf der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Strecke mit 16 Viadukten zu genießen. Von der Passhöhe auf 984 Metern geht es dann in flotter Fahrt zum Tagesziel Bruck an der Mur.

Die folgende Etappe durchs Murtal nach Graz ist ein Augenschmaus, gekrönt von einer Audienz bei der „Schönheitskönigin Frohnleiten“. Die ganze Stadt ist eine Sehenswürdigkeit, sie glänzt mit der Silhouette über dem Fluss sowie dem Hauptplatz mit historischen Gebäuden und einladenden Cafés.

Foto: Paul Herbinger

Frohnleiten an der Mur ist ein Juwel und perfekt für eine erholsame Radpause.

Am Ende der Etappe wartet eine der schönsten Städte Europas. Im 17. Jahrhundert war Graz der Vorposten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gegen die aus dem Osten angreifenden Türken. Daran erinnert die herausragende Waffensammlung im Zeughaus. Die meisten Häuser im Zentrum sind älter als sie aussehen. Denn die herrlichen barocken Fassaden wurden erst nachträglich angebracht. Unübersehbar ist mitten in der Stadt der „freundliche Außerirdische“, das avantgardistische Kunsthaus. Einen guten Überblick über die Stadt gibt es vom Schlossberg aus.

Akkus aufladen

Durch die sanft hügelige Südsteiermark geht es vorbei an zahlreichen sogenannten Buschenschänken, ursprünglichen, bäuerlichen Gaststätten, nach Slowenien. Die erste Station ist Maribor mit seiner historischen Altstadt.

Wer Radeln und Wellness verbinden will, wird auf der Etappe durch die slowenische Untersteiermark besonders motiviert in die Pedale treten. Am Ziel in Laško wartet ein großes Thermalbad mit Spa-Angebot. Mit aufgeladenen Akkus geht es dann über schöne Radwege und verkehrsarme Landstraßen durch die heimelige, stille Region nach Ljubljana. Der weltberühmte Architekt Jože Plečnik hat dort einzigartige Bauwerke geschaffen. An den Ufern des Flusses Ljubljanica schlägt das Herz der Stadt mit rund 60.000 Studierenden.

Wunder unter der Erde

Ein Höhepunkt tief unter der Erde sind die am nächsten Tag erreichten Karsthöhlen von Postojna. Zum 24 Kilometer langen Höhlensystem gehört die größte Schauhöhle Europas. Nach der Einfahrt mit einem kleinen Zug entzückt ein unterirdisches Paradies mit Tausenden von Tropfsteinen in allen Variationen und Größen. Der Hit des Naturwunders ist der „Brillant“, ein fünf Meter hoher Stalagmit.

Die letzte Tagesreise bis Triest ist eine absolute Genussstrecke, nicht nur landschaftlich. In Lipica schlagen die Herzen von Pferde-Fans höher. Auf den weitläufigen Koppeln des Gestüts grasen die dort gezüchteten weißen Lipizzaner.

Nach Italien, ans Meer, sind es nur noch wenige Kilometer und das Finale ist spektakulär: Die letzten Kilometer führen, stets mit Panorama-Blick auf die Adria, entlang des steil abfallenden Karstgebirges mitten hinein in die Hafenstadt. Die Verbundenheit wird schon auf den ersten Blick deutlich. Triest ist fast wie Wien, aber eben am Meer. Die prunkvollen Palazzi könnten auch in der österreichischen Metropole stehen und das Schloss Miramare mit seinem Park ist ein absolutes Juwel. Auch Kaiserin Sisi logierte dort häufig.

Foto: PromoTurismo FVG/Marco Milani

Das Schloss Miramare in Triest begeisterte schon Österreichs Kaiserin Sisi.

Was die österreichische Herrscherin begeisterte, erleben auch die Radreisenden: Das mediterrane Flair, die Spuren der Habsburger und italienisches Dolce Vita krönen die Tour. Willkommen in Triest!

Die Radtour von Wien nach Triestbegeistert Paul Herbinger

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