Heute ruht die Mine, doch auf der rustikalen Holzveranda im Restaurant „Slow Groovin’ BBQ“ lebt am Wochenende das Glück alter Zeiten weiter: Saftige Rippchen, rauchig und würzig, garen langsam vor sich hin und lassen den hungrigen Gästen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Während des Essens genießen sie einen traumhaften Ausblick auf die Natur. Ein echter Augenschmaus, genau wie das Essen. Und wären die Füße nicht schwer von der Wanderung zur historischen Mühle Crystal Mill, eins der meistfotografierten Motive in den USA, würde man sie zur Countrymusik schwingen.
Herbst in den Rocky Mountains – eine magische Zeit
Goldener Blätterwald in Aspen
Veröffentlicht am 11.11.2025 | 2 Minuten Lesedauer
Sobald der erste Schnee fällt, wird Aspen zum Mekka für Wintersport-Fans. Auch zahlreiche Prominente machen sich dann wieder auf in den kleinen, idyllischen Ort in den Rocky Mountains. Doch auch im Herbst ist die reichste Stadt der Vereinigten Staaten einen Besuch wert. Ein regelrechtes Leuchten erfasst dann die Gegend. Die Sonne lässt die Natur erstrahlen – ein goldener Blätterwald.
Die Stadt Aspen liegt nicht einfach nur hoch, sondern auch schön. Rund vier Stunden Autofahrt von Denver entfernt, am rauen Rücken der Rocky Mountains, wartet auf rund 2.400 Metern Höhe eine malerische Bergwelt auf die Besucherinnen und Besucher. Im Herbst ist es besonders bezaubernd: Dann leuchtet das Laub in einem Ton, als hätte der Wind Goldstaub über die Hänge geweht.
Eingebettet zwischen den Elk Mountains und umgeben von rauschenden Bächen gehört es für viele Einheimische und Gäste zum Wochenende dazu, am Samstagmorgen über den Bauernmarkt in der historischen Innenstadt (Downtown) zu schlendern. Neben viktorianischen Backsteingebäuden stapeln sich Kürbisse, Chillies werden geröstet, warmes Brot duftet und es liegt ein Hauch von Zimt in der Luft. Alles riecht nach Herbst. Auf den Terrassen der Cafés genießen Gäste die Sonne, beratschlagen, ob sie später einen Bummel durch die örtlichen Galerien machen wollen oder doch lieber einen Ausflug in die Umgebung.
Heimat des weißen Marmors
Ausflugsziele gibt es viele, zum Beispiel Marble, das etwa eine Autostunde entfernt liegt. Heute ist der Ort nicht mehr sehr belebt, vor einiger Zeit aber war er weltbekannt. Von hier stammt der weiße Marmor, der in der Hauptstadt Washington das Lincoln Memorial, ein Denkmal zu Ehren des ehemaligen Präsidenten Abraham Lincoln, und das Grabmal des Unbekannten Soldaten in Arlington zum Glänzen bringt. Italienische Steinmetze schlugen ihn einst aus den Felsen der Rocky Mountains.
Crystal Mill ist ein Relikt aus der Zeit des Silberbergbaus. Einst wurden die Stollen mithilfe von Kompressoren mit Luft versorgt.
Geister und Silberträume
Gespenstisch wird es in Ashcroft, einem Geisterdorf südlich von Aspen. Hier sind die Rollos heruntergelassen, Grashalme rascheln im Wind, manchmal ächzt ein Gebälk und es gibt leere Straßen, wohin man schaut. Ein Stück weiter, in Leadville, lebt die Geschichte der höchstgelegenen Stadt Nordamerikas weiter: Auf mehr als 3.000 Metern grassierte Ende des 19. Jahrhunderts das Silberfieber. Mehr als 40.000 Menschen lebten zwischen Minen, Saloons und dem Opernhaus. Horace Tabor, ein Silberbaron mit einer ausgeprägten Glückssträhne, ließ es bauen. Während draußen Schweiß und Dreck regierten, erklangen drinnen Arien. Heute nippt man gerne wieder an einem Getränk im Saloon. Zudem führen heute gut ausgebaute Fahrradwege (Biketrails) rund um Leadville durch Wälder, über Herbstwiesen und manchmal auch vorbei an grasenden Hirschen.
Viele Häuser an der Harrison Avenue in Leadville stammen noch aus der Zeit, als hier nach Silber geschürft wurde.
Ein weiteres Highlight der Rocky Mountains sind die Maroon Bells – zwei majestätische, rötlich schimmernde Gipfel, die über einem Gletschersee thronen. Die Luft ist eisig, doch der Anblick ist beeindruckend. Kein Wunder, dass dies die meistfotografierten Berge der USA sind. Und mittendrin leuchtet das Laub der Espenwälder. Ein echtes Naturspektakel, das die Besucherinnen und Besucher regelrecht verzaubert.
Franz-Marc Frei war unterwegs in den Rocky Mountains
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