Das ursprüngliche Schweden in der Region Darlana erleben

Frösche, Pferde und Skilanglauf

Veröffentlicht am 15.09.2026 | 4 Minuten Lesedauer

Ein ruhiger See spiegelt den blauen Himmel und die umgebenden Bäume wider, während am Ufer die Kirche von Rättvik zu sehen ist.
Idyllisches Schweden: Die Kirche von Rättvik am Ufer des Siljansees. Fotos: Rasso Knoller

Die Region Dalarna ist das Sehnsuchtsziel vieler Skandinavien-Fans. Hier, so heißt es, lässt sich das ursprüngliche Schweden erleben. Bei einer Reise können Gäste viele große Traditionen im hohen Norden erleben: Sie führt zum Ziel des berühmten Skilanglauf-Marathons Wasalauf, in eine Fabrik für Dalapferde, zum größten Mittsommerfest der Welt und in die Wohnstube des Weihnachtsmanns.

Im schwedischen Sommer leben alle eine Spur intensiver. Deshalb ist Mittsommer auch das wichtigste Fest des Jahres. Am Abend spielt die Musik zum Tanz auf. Dann fassen sich alle an den Händen und tanzen gemeinsam um den traditionellen Mittsommerbaum, die sogenannte „Majstång“, herum. Das sieht ziemlich komisch aus. Denn dem Liedtext entsprechend werden alle zu „små grodorna“, kleinen Fröschen. Deshalb bewegen sich die Tänzerinnen und Tänzer abwechselnd in der Hocke und dann wieder hochspringend um den Baum herum. Mittsommer wird immer am Wochenende nach dem 21. Juni gefeiert, dann findet in Leksand am Siljansee mit rund 25.000 Besucherinnen und Besuchern das größte Mittsommerfest der Welt statt.

Langer Mittsommer

Für Mittsommergefühle den ganzen Sommer lang sorgt Andreas Hermansson. Nur wenige Kilometer von Leksand entfernt veranstaltet er im Klockargården in Tällberg bis Ende August Mittsommer auf Bestellung. Hier wurden rund um ein Bauerngehöft alte Holzhäuser aus dem ganzen Land wiederaufgebaut. Während der Tour lernen die Gäste nicht nur, wie man einen Mittsommerkranz flicht.

Sie erfahren auch viel über die Geschichte des Festes und am Ende tanzen sie den Froschtanz um die „Majstång“. Dabei ist niemand auf sich allein gestellt. Emma Glanby unterstützt die Gäste, ganz in Tracht. Die Studentin, die sich für solche Touren öfter in Schale wirft, betont: „Bei uns in Dalarna sind Traditionen sehr wichtig.“ Dann posiert sie für Erinnerungsfotos. Bevor die Besucherinnen und Besucher weiterziehen, gibt es noch eine Stärkung. Erdbeerkuchen gehört zu jeder Mittsommerfeierlichkeit, egal in welchem Monat sie stattfindet.

Mehrere traditionelle Holzhäuser stehen auf einer großen grünen Wiese und vor den Häusern steht die Majstång, die mit Blumen, Blättern und Bändern geschmückt ist.

Mitten im Klockargården in Tällberg wartet die „Majstång“ auf die Tänzerinnen und Tänzer.

Tällberg wird in vielen Reiseführern als das schönste Dorf in Dalarna gepriesen. Die atemberaubende Aussicht über den Siljansee und die vielen roten Holzhäuser sind nur zwei Gründe für dieses Urteil. Den besten Blick haben Gäste oben vom Digerberget oder von der Veranda des Hotels Villa Långbers. Dort war auch die weltberühmte Autorin Astrid Lindgren Stammgast. Mit Blick auf den Siljansee schrieb sie hier einige ihrer Werke. Wer genau hinschaut, erkennt unten am Seeufer Rättvik die Kirche und die mit 628 Metern längste Landungsbrücke in Schweden.

Heimat des Wasalaufs

Am westlichen Ufer, auf der anderen Seite des Sees, liegt Mora. Der Ort ist das Ziel des legendären Wasalaufs. Im Winter jubeln hier Tausende den Helden des Langlaufsports zu. Im Sommer kann man immerhin vor dem Zieleinlauf posieren oder sich gleich nebenan im Wasalauf-Museum über die Geschichte des Skirennens informieren. Der Wasalauf ist nicht irgendein Skirennen. Er ist eine Institution, fast schon Teil der schwedischen Kultur. Seit 1922 gehen jedes Jahr Anfang März starke Männer – inzwischen sind selbstredend auch Frauen am Start – in die Spur und machen sich auf die 90 Kilometer lange Strecke zwischen Sälen und Mora. Beim ersten Lauf quälten sich 136 stramme Burschen aus der Gegend über die Strecke. Heute machen sich rund 16.000 Läuferinnen und Läufer aus aller Welt auf den Weg.

Das Rennen erinnert an den späteren König Gustav Wasa, der im Winter 1521 auf Skiern vor den Dänen auf der Flucht war. Die führten damals in Schweden ein strenges Regiment und waren beim Volk verhasst. In Mora versuchte Wasa die Einheimischen zum Aufstand gegen die fremden Herrscher anzustacheln. Die aber wollten nicht so recht. Enttäuscht setzte er seinen Weg in Richtung Norwegen fort. Als Gustav Wasa schon drei Tage unterwegs war, überlegten es sich die Männer aus Mora anders. Sie schickten ihm die beiden schnellsten Skilangläufer hinterher. Wasa muss wohl ein schlechter Skiläufer gewesen sein, denn die beiden holten ihn schon in Sälen ein. Von Dalarna aus weitete sich der Aufstand langsam nach Süden aus. Am Mittsommertag 1523 zog Gustav Wasa siegreich in Stockholm ein.

Nationalsymbol aus Holz

Von Mora geht es weiter nach Nusnäs, dorthin, wo das bekannte Dalapferd zu Hause ist. Prominente wie der ehemalige amerikanische Präsident Bill Clinton oder Sänger Elvis Presley haben zum Beispiel eins bekommen. Denn der Dalahäst ist kein lebendiges Pferd. Er ist ein Schnitzwerk aus Holz, rot oder blau bemalt und reich verziert. Dalapferde sind ein schwedisches Nationalsymbol. Deswegen sind die Holztiere ideale Geschenke für Staatsgäste. Entsprechend häufig erhält die Manufaktur in Nusnäs Bestellungen von der schwedischen Regierung.

Über Schweden hinaus bekannt wurden die Dalahästar 1939 bei der Weltausstellung in New York. Dort stand ein Riesenexemplar vor dem schwedischen Pavillon. „Nach der Weltausstellung gingen hier in Nusnäs innerhalb kürzester Zeit 20.000 Bestellungen aus den USA ein“, sagt Liselotte Fagerlund, die als Guide die Gäste in Moratracht begrüßt.

Auch heute ist die Herstellung eines Dalahästs noch weitgehend Handarbeit. Allerdings schnitzt nicht eine Person ein Pferd. Es durchläuft eine ganze Reihe von Arbeitsschritten. Die Grobform schneidet ein Roboter zu. Die wird dann in Handarbeit weiterverarbeitet. „Das machen bei uns Rentner in Heimarbeit“, weiß Liselotte Fagerlund. Nach diesem Ausflug kommen die Pferde in die Fabrik zurück und werden in mehreren Durchgängen bemalt.

Eine Seniorin sitzt an einem Tisch und bemalt sorgfältig eine kleine rotes Holzpferd. Mehrere ähnliche Holzfiguren warten schon auf ihrem Tisch und vor ihr sind die verschieden Farben, die sie zum Bemalen benötigt.

Das Bemalen der Dalapferde ist Handarbeit und wird nur von Frauen gemacht.

Weil der Weihnachtsmann gleich nebenan im Freizeitpark Tomteland in der Gemeinde Gesunda wohnt, hat er es nicht weit, wenn er ein typisch schwedisches Geschenk sucht, das er unter den Weihnachtsbaum legen kann: ein Holzpferd aus Dalarna.

Rasso Knoller entdeckte die Highlights des hohen Nordens

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