Der gewaltige Platz misst beeindruckende 170 x 170 Meter. In seiner Mitte erhebt sich die Reiterstatue von König Joseph I. von Portugal. Der Monarch regierte zur Zeit des verheerenden Erdbebens von 1755. An den Regierungsgeschäften war er nur wenig interessiert und überließ das Herrschen seinem Außenminister, der maßgeblich für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt verantwortlich war.
Malerische Ausblicke und große Kunst in Lissabon
Die Stadt der sieben Hügel
Veröffentlicht am 25.08.2026 | 4 Minuten Lesedauer
Lissabon trägt wie Rom den Beinamen „Stadt der sieben Hügel“. In der portugiesischen Hauptstadt geht es abwechselnd bergauf und bergab. Als Belohnung für die überwundenen Höhenmeter warten spektakuläre Aussichtspunkte. Von diesen sogenannten Miradouros hoch über den Gassen können Besucherinnen und Besucher den Blick über rote Dächer, bunte Fassaden und den glitzernden Fluss Tejo schweifen lassen.
Bevor es hinauf auf die Hügel geht, lohnt es sich, sich einen ersten Überblick von der Aussichtsplattform des Triumphbogens an der Rua Augusta zu verschaffen. Von der einen Seite blickt man auf die geschäftige Innenstadt mit ihren Fußgängerzonen, auf der anderen öffnet sich der Praça do Comércio.
Vom Triumphbogen hat man einen tollen Blick über den riesigen Praça do Comércio und den Tejo.
Die Katastrophe hinterließ aber auch beim König Spuren: Er entwickelte eine ausgeprägte Klaustrophobie und soll sich fortan nur ungern längere Zeit in geschlossenen Räumen aufgehalten haben. Vielleicht war dieses Bedürfnis nach Weite auch ein Grund für die großzügige Anlage des Praça do Comércio. Zum Fluss Tejo hin öffnet sich der Platz und vermittelt noch heute ein Gefühl von Freiheit und Größe.
Einige Kilometer flussabwärts erhebt sich der Torre de Belém, eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons. Von hier starteten einst viele Schiffe ihre Reise in die Überseegebiete. Vor allem aber wurde der Turm zum Symbol der portugiesischen Seefahrernation. Der Torre de Belém, der als eines der wenigen Gebäude Lissabons das Erdbeben von 1755 überstand, gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Die gelbe Ikone
Eine Stadt mit so vielen Steigungen braucht besondere Verkehrsmittel. Viele Besucherinnen und Besucher lassen sich mit Tuk-Tuks zu den Aussichtspunkten bringen, doch die eigentlichen Klassiker sind die historischen Straßenbahnen. Wenn sich die gelben Wagen durch die engen Gassen schlängeln und steile Kurven meistern, werden sie selbst zur Sehenswürdigkeit.
Die gelben Straßenbahnen sind bei den Touristinnen und Touristen das beliebteste Verkehrsmittel.
Die schönsten Ausblicke bieten der Miradouro da Graça und – etwas ruhiger gelegen – der Miradouro da Senhora do Monte. Wer den Blick noch weiter schweifen lassen möchte, fährt in den modernen Stadtteil Parque das Nações, der zur Weltausstellung 1998 erbaut wurde. Dort geht es mit dem Aufzug hinauf zum Vasco-da-Gama-Turm. In der Rooftop-Bar „Babylon 360º“ können Gäste bei einem Getränk die portugiesische Hauptstadt aus der Vogelperspektive bewundern. Doch Lissabon begeistert nicht nur von oben. Erst beim Spaziergang durch enge Gassen, beim Auf und Ab über schmale Treppen und beim Bummel durch die breiten Avenidas zeigt sich die besondere Atmosphäre der Stadt am Tejo.
Farben aus Keramik und auf Beton
Azulejos, die kunstvollen Keramikfliesen, die einst durch die Mauren nach Portugal kamen, prägen noch heute das Stadtbild. Besonders in den alten Vierteln wie Mouraria, Alfama und Madragoa schmücken zahlreiche historische Fliesenfassaden die Wohnhäuser. Auch Graça, das Viertel der Aussichtspunkte, überrascht mit farbenfrohen Häuserfronten. Einen Überblick über die Geschichte dieser einzigartigen Kunstform vermittelt das Museu Nacional do Azulejo. Das Museum zeigt die Entwicklung der portugiesischen Fliesenkunst vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart. In den vergangenen Jahren wurde der zunehmende Diebstahl alter Azulejos zum ernsten Problem. Immer wieder schlugen Diebe wertvolle Kacheln aus Hausfassaden, um sie später an Touristinnen und Touristen zu verkaufen. Die Stadt appelliert deshalb ausdrücklich an Besucherinnen und Besucher, keine historischen Azulejos als Souvenir zu erwerben.
Vielleicht, weil Kunst an den Hauswänden in Lissabon seit Jahrhunderten selbstverständlich ist, entwickelte sich die Stadt auch zu einem Zentrum der Murals, großflächiger Wandmalereien. Mit der Galeria de Arte Urbana (GAU) schuf Lissabon ein Projekt, das Street Art aus der Illegalität holt und als Teil der Stadtkultur fördert. Wer eine große Wandfläche für ein Kunstwerk zur Verfügung stellen möchte, kann dies bei der Stadt beantragen. Die farbenprächtigen Murals verschönern nicht nur das Stadtbild, sondern werten auch weniger bekannte Viertel auf. Entsprechend führen viele Street-Art-Touren in Gegenden, die abseits der klassischen Besucherströme liegen.
Große Murals, wie hier eines des weltbekannten Streetart- Künstlers OBEY, zieren viele Wände.
Eine Andacht der Musik
Der Fado, der typische portugiesische Gesang, entstand in den Hafen- und Arbeitervierteln Lissabons. Er erzählt von unerfüllter Sehnsucht und Liebe, von Verlust und Trauer. Es ist keine Musik zum Tanzen oder Mitsingen. Wenn die Fadosängerin oder der Fadosänger zu singen beginnt, legt sich respektvolles Schweigen über das Lokal. Das Essen pausiert, die Gespräche an den Tischen verstummen. Fast erinnert ein Fadokonzert an eine Messe. Es ist wie eine Andacht der Musik.
Der Besuch einer Fadokneipe gehört für viele Reisende zu einem Aufenthalt in Lissabon dazu. Als Herz des Fado gilt das Viertel Mouraria. Besonders empfehlenswert ist dort das „Maria da Mouraria – Casa de Fados“. Das Lokal befindet sich im ehemaligen Wohnhaus von Maria Severa Onofriana, der ersten großen Fado-Legende. Die Sängerin prägte im 19. Jahrhundert entscheidend die Entwicklung dieser Musikrichtung und machte den Fado weit über die Grenzen ihres Viertels hinaus bekannt. Noch heute gilt Maria Severa Onofriana als die Ikone einer Musiktradition, die wie kaum eine andere die melancholische Seele Lissabons widerspiegelt.
Rasso Knoller machte Höhenmeter in Lissabon
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