Sonnige Wintertage im Bregenzerwald

Belebender Genuss

Veröffentlicht am 03.03.2026 | 3 Minuten Lesedauer

Das Dorf Damüls liegt auf 1.423 Metern Höhe umgeben von schneebedeckten Wäldern und Bergen.
Dorf Damüls: Der Ort selbst liegt auf 1.423 Metern und bietet zahlreiche präparierte Winterwanderwege. Foto: Huber Images/Damüls Faschina Tourismus

Hohe Berge, malerische Orte und viel Tradition: Ganz im Westen Österreichs liegt der Bregenzerwald. Die Region ist äußerst vielseitig, neben anspruchsvollen Höhenwanderungen lassen sich auf gemütlichen Dorfspaziergängen, den sogenannten Umgängen, die Kultur und das Handwerk der Region erkunden.

Kurvig windet sich die schmale Straße zum Alpgebiet Bödele hinauf und plötzlich scheint es, als habe jemand das Licht angestellt. Hinter den Bergen kommt die langersehnte Sonne zum Vorschein und lässt die Landschaft in ihrem Glanz erstrahlen. Unten im Donautal und am Bodensee ist es gerade im Winter oft nebelig und ausgesprochen ungemütlich. Wer kann, flieht in die Höhe. Ob spontan für ein Wochenende oder nur für einen Tag: Viele Gäste reisen gerne für eine kleine Auszeit an. Von der Stadt Dornbirn im nahen Rheintal fährt sogar ein Landbus herauf zum Bödele und weiter in den Bregenzerwald. Manche gehen dann nur wenige Schritte bis zur nächsten Bank und genießen dort die Sonne, andere zieht es auf eine der höher gelegenen Hütten: Von der Passhöhe auf 1.140 Metern, die einen fantastischen Blick über Schwarzenberg und den Bregenzerwald bietet, gibt es eine breite Auswahl an gut ausgeschilderten Wanderwegen.

Die Bregenzer Hütte ist von dort in gut anderthalb Stunden erreichbar. Der Weg führt über die Lustenauer Hütte. Die Strecke ist nicht allzu steil, also auch für Ungeübte ein schöner Ausflug. Rasch zeigt sich, wer bereits Erfahrung auf dem Berg mitbringt: Einige tänzeln leichtfüßig über die Eisplatten am schattigen Waldrand, teils tragen sie Spikes an den Schuhen, andere Spaziergängerinnen und Spaziergänger gehen hingegen um einiges bedächtiger mit ihren Wanderstöcken voran.

Auch zwei Freundinnen aus Kressbronn am Bodensee haben sich für diese Route entschieden und legen eine kurze Pause an der pittoresken Kapelle bei der Alpe Hochälpele ein, um Fotos für alle Lieben zu Hause zu machen. Allzu belebt ist der Wanderweg hier nicht mehr, eine halbe Stunde braucht es allein noch bis zur Lustenauer Hütte. Die Zeitangaben auf den Wegweisern sind eher für den Sommer und für Einheimische berechnet, wie Simone Gridling vom Bregenzerwald Tourismus einräumt. Gerade im Winter kann es auch einmal länger dauern: vor allem, wenn immer wieder der Ausblick genossen wird – hinunter auf das wattige Nebelmeer in den Tälern.

Die Kapelle ist ein Rechteckbau mit rundbogig leicht vorgezogenem Chor unter gemeinsamem Walmdach, über der Vorhalle befindet sich ein Zwiebelturm. Südlich ist eine niedrige Sakristei angebaut.
Foto: Doris Burger

Die Benediktkapelle an der Alpe Hochälpele liegt am Wanderweg oberhalb von Schwarzenberg.

Traditioneller Dorfrundgang

Viele Hotels und Pensionen im Bregenzerwald sind noch familiengeführt. Sie verfügen nicht nur über gemütliche Stuben, sondern häufig auch über eine Sauna oder einen ganzen Wellnessbereich. Besonders aussichtsreich ist das „Sky-Spa“ in der Krone in Au, wo sich der Sonnenuntergang von den Liegen aus beobachten lässt. Das Haus gehört der Familie Lingg in sechster Generation. Errichtet wurde es zunächst als Jagdhaus der Grafen von Montfort, an einem der sonnigsten Plätze hinter dem Berg Kanisfluh. Montags lädt Seniorchef Walter Lingg zum Dorfrundgang ein, seit 30 Jahren inzwischen schon. Er zeigt den Gästen die barocke Kirche gleich nebenan, das moderne Biomasseheizwerk ein paar Schritte weiter und schaut bei einem Schindelmacher vorbei. Auf dem Programm steht immer auch ein kurzer Stopp in der Alpendrogerie Beer, die ein breites Sortiment an Tees und Tinkturen hat.

Wer lieber in Eigenregie auf Entdeckungsreise geht, kann einem der zwölf Umgänge folgen, die in den Dörfern ausgewiesen sind. Informationsmaterial dazu gibt es in den Touristenbüros, aber auch am Weg gibt es einige Metallstelen, deren obere Fläche mit einem QR-Code versehen ist. Vor dem Gasthaus Löwen in Au-Rehmen steht zum Beispiel eine und so erfährt man, dass das denkmalgeschützte Haus eines der ersten Gasthäuser in der Region war: mit reich verziertem Eingangserker und einem großen Saal, in dem zum Tanz aufgespielt wurde. Bei Einheimischen ist das Lokal bis heute zum Feiern beliebt.

Das Ei aus Beton ist 5,75 Meter hoch und 4,50 Meter breit.
Foto: Doris Burger

Skulptur zu entdecken: Das Ei auf der Wiese in Andelsbuch kann über eine kleine Leiter bestiegen werden.

Barockbaumeister und Handwerkskunst

Gleich nebenan liegt das Barockbaumeister Museum: Die Mitglieder der Auer Zunft, die 1657 von Johann Michael Beer von Bildstein gegründet wurde, gaben sich fortschrittliche Regeln, die selbst die Familien absicherten. Steinmetze, Maurer und Zimmermänner arbeiteten zusammen und errichteten Barockkirchen und Klöster. Dazu gehören beispielsweise die rosaschimmernde Barockkirche in Birnau am Bodensee, die Stiftsbibliothek in St. Gallen oder die Abteikirche Ebersmünster im Elsass. „Vom Keller bis zum Turm, alles aus einer Hand“, so heißt es.

Während die Barockzeit zu Ende ging, blüht das Handwerk bis heute: Architekt Peter Zumthor aus Graubünden errichtete in Andelsbuch den Werkraum Bregenzerwald als luftiges „Schaufenster des Handwerks“. Neben den Sonderausstellungen gibt es Möbel und Kunsthandwerk zu bestaunen.

Doris Burger schätzt kleine Fluchten in die Bergwelt

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