Carl hatte die soziale Ader seines Vaters geerbt. In seinem Elternhaus gab es viele Kunstgegenstände, darunter besonders viele Statuen von Bertel Thorvaldsen. Er erweiterte die Sammlung und machte sie für die Öffentlichkeit zugänglich, indem er in der Nähe des Vergnügungsparks Tivoli mit staatlicher und städtischer Unterstützung die „Ny Carlsberg Glyptotek“ errichten ließ. Das Museum zeigt antike und moderne Plastiken sowie dänische und französische Gemälde.
Wie die dänische Hauptstadt Kopenhagen zur „Kleinen Meerjungfrau“ kam
Trio mit Weitblick
Veröffentlicht am 21.04.2026 | 3 Minuten Lesedauer
Vom Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts prägten drei Unternehmer die heutige Metropole Kopenhagen, die sich auch in anderen europäischen Ländern einen Namen machten. Ohne sie würde die dänische Hauptstadt heute anders aussehen. Das glüXmagazin hat sich auf Spurensuche begeben.
Es gäbe keine „Kleine Meerjungfrau“ und überhaupt eine ganze Reihe Denkmäler weniger in der dänischen Hauptstadt – Carl Jacobsen war nicht nur ein erfolgreicher Brauer und Sohn des Gründers der weltweit agierenden Carlsberg-Brauerei, sondern gleichfalls ein geschätzter Mäzen. Sein Herz schlug für Musik und Kunst. Das erste Lagerbier braute Vater Jacob Christian Jacobsen noch im Keller seines Hauses. 1847 ließ er eine Fabrik außerhalb des Zentrums im heutigen Stadtteil Valby errichten. Die Firma benannte er nach seinem einzigen Sohn Carl und dem Hügel, auf dem sich der Brauereikomplex befindet. Im Museum „Home of Carlsberg“ werden Besucherinnen und Besucher hinter den alten Mauern multimedial rund ums Bierbrauen informiert und bekommen Einblicke in die Familien- und Stiftungsgeschichte der Jacobsens.
Als Sohn Carl nach Lehrjahren im Ausland 1871 nach Dänemark zurückkehrte, wollte er nicht dauerhaft in den väterlichen Betrieb einsteigen. Er startete sein eigenes Unternehmen und nannte es „Ny (neu) Carlsberg“. Die beiden Männer entzweiten sich. Erst wenige Monate vor dem Tod des Vaters fanden sie wieder zueinander. 1906 wurde die alte mit der neuen Brauerei vereint.
Eine Idee des Brauers Carl Jacobsen: das 1897 eingeweihte Kunstmuseum „Ny Carlsberg Glyptotek“.
Vorbild für andere Länder
Der klassizistische Bildhauer Bertel Thorvaldsen kam 1770 als Sohn eines isländischen Holzschnitzers, der für die dänische Marine tätig war, in Kopenhagen zur Welt. Schon früh half er seinem Vater und erhielt mit elf Jahren Unterricht an der Kunstakademie. Mit Mitte 20 bekam er ein Stipendium und ging nach Rom. Dort richtete er sein Atelier ein und blieb vier Jahrzehnte. Eine seiner bekanntesten Statuen ist „Der segnende Christus“. Er fertigte ihn für die Kopenhagener „Vor Frue Kirke“ (Frauenkirche). Während der napoleonischen Kriege griff die britische Flotte 1807 die Stadt an. Die Frauenkirche brannte aus.
Architekt Christian Frederik Hansen erhielt den Auftrag, diverse zerstörte Gebäude und auch die Kirche wieder aufzubauen. Bertel Thorvaldsen war für die Innenausstattung verantwortlich. Neben der Christus-Figur aus Carrara-Marmor schuf er einen Taufengel und die zwölf Apostel, die das Kirchenschiff noch heller erstrahlen lassen. Speziell die Christus-Skulptur wurde in diversen Ländern kopiert. Sie hielt Einzug auf unzähligen Friedhöfen und in hunderte Kirchen.
Christian Frederik Hansen ließ die Kirche „Vor Frue Kirke“, geschmückt mit Figuren von Bertel Thorvaldsen, errichten.
Bedeutende Bronze-Monumente nach den Entwürfen des Bildhauers in Deutschland sind der Dichter Friedrich Schiller in Stuttgart, Kurfürst Maximilian I. von Bayern in München und der Erfinder des modernen Buchdrucks, Johannes Gutenberg, in Mainz.
Als Bertel Thorvaldsen 1838 für immer aus Italien zurückkehrte, wurde er mit großen Ehren im Hafen empfangen. Seine Skizzen, Gipsentwürfe für Reliefs, Büsten und Statuen sowie seine Sammlungen von Abgüssen, Gemälden und Drucken zeitgenössischer Künstler vermachte er seiner Heimatstadt. 1848 wurde das Thorvaldsens Museum neben dem Schloss Christiansborg eröffnet. Vier Jahre zuvor war der 73-Jährige während einer Theatervorstellung zusammengebrochen und noch am selben Tag verstorben. Sein Grab befindet sich im Innenhof des Museums.
Repräsentative Bauten
Christian Frederik Hansen war einer der einflussreichsten Architekten des klassizistischen Stils in Dänemark und Norddeutschland. In Schleswig-Holstein, das zu dieser Zeit unter dänischer Verwaltung stand, entwarf er mehrere Gotteshäuser, repräsentative Villen und Landhäuser. Bestattet wurde der Architekt 1845 in der Grabkammer der Kopenhagener Holmens Kirche gegenüber von Schloss Christiansborg. Den abgebrannten Vorgängerbau hatte Christian Frederik Hansen geplant. Davon erhalten ist nur noch die Schlosskirche.
Gefragtes Fotomotiv
Und wie kam die Stadt zu ihrer „Lille Havfrue“, deren Besuch fast schon Pflicht für Touristinnen und Touristen ist? Brauereibesitzer Carl Jacobsen hatte im Königlichen Theater eine Ballettaufführung des Märchens „Die kleine Meerjungfrau“ von Hans Christian Andersen gesehen. Er war so begeistert, dass ihm die Idee für ein Denkmal kam. Auch wenn die Skulptur seit 1913 häufig Vandalismus ausgesetzt war, konnte sie jedes Mal restauriert werden. Einsam, aber selten allein, kauert die nur 125 Zentimeter große Bronzefigur im Hafen auf einem Granitstein und ist zum Wahrzeichen Kopenhagens geworden.
Kopenhagens Wahrzeichen, die „Kleine Meerjungfrau“, sitzt schon seit 1913 an der Uferpromenade.
Dagmar Krappe war von den Kopenhagenern beeindruckt
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