Der Rothirsch ist das Wildtier des Jahres 2026

König des Waldes

Veröffentlicht am 27.01.2026 | 3 Minuten Lesedauer

Abgebildet ist ein schöner Rothirsch im winterlichen Wald.
Foto: catread - stock.adobe.com

Er sieht majestätisch aus, hat beeindruckende Fähigkeiten und steht dieses Jahr besonders im Fokus: Bei einer öffentlichen Abstimmung ist der Rothirsch nach 1994 und 2002 zum dritten Mal von der Deutschen Wildtierstiftung zum Wildtier des Jahres gekürt worden. Wissenswertes rund um den Waldbewohner und die Notwendigkeit, ihn zu schützen, verrät das glüXmagazin.

Alles Männer, oder was?

Der Artname Rothirsch klingt zunächst so, als wären nur die männlichen Tiere gemeint, schließt aber die weiblichen Rothirschkühe ein. Dass die meisten Menschen trotzdem zuerst an die Hirsche denken, liegt an ihren beeindruckenden Geweihen. Die männlichen Tiere sind sogenannte Stirnwaffenträger und werfen ihr bis zu zehn Kilogramm schweres Geweih im Frühjahr ab. Innerhalb von etwa 140 Tagen ist das Neue vollständig ausgebildet, da Rothirsche etwa zwei Zentimeter neue Knochenmasse pro Tag bilden. Das ist Rekordgeschwindigkeit, denn in der Natur gibt es kein anderes tierisches Organ, welches schneller wächst.

Nicht nur der imposante Kopfschmuck, der in der Paarungszeit bei Kämpfen mit Rivalen wichtig ist und außerdem vor Feinden wie dem Wolf schützt, unterscheidet die Hirsche von den Hirschkühen. Mit bis zu 250 Kilogramm wiegen sie um einiges mehr als die Weibchen, die zwischen 70 und 90 Kilo schwer werden. Interessant: Der Rothirsch ist ein ausgezeichneter Schwimmer, der selbst bei starker Strömung im Fluss gut zurechtkommt. Von Frühling bis Herbst haben die Rothirsche ihr namensgebendes glänzend rotbraunes Sommerfell, in der kalten Jahreszeit wechseln Farbe und Struktur. Aktuell sieht das Fell eher struppig aus, denn über einem dichten wärmenden Wollhaar ist das graubraune Winterfell doppelt so lang.

Viele Tiere, trotzdem schutzbedürftig

In Deutschland gibt es rund 220.000 Rothirsche, gefährdet ist der Bestand derzeit noch nicht, dennoch steht die Art vor großen Herausforderungen. Wiesen- und Steppenlandschaften sind ursprünglich der Lebensraum des Rothirschs gewesen, den der Mensch immer mehr eingenommen hat, weshalb der Wald heute das Zuhause der Tiere ist. Durch Jagd, Forstarbeiten, Spaziergänge oder auch Sport wie Mountainbikefahren herrscht vielerorts Hochbetrieb im Wald und die Tiere sind ständig in Alarmbereitschaft. In Baden-Württemberg lebt die Art lediglich in fünf ausgewiesenen Rotwildgebieten, die vier Prozent der Landesfläche ausmachen – überall sonst sollen die Tiere erlegt werden. Rudel kommen untereinander kaum in Kontakt und der dadurch entstehende mangelnde genetische Austausch macht sie anfälliger für Krankheiten.

Echt nützlich

Dass der Rothirsch als Nachfolger des Alpenschneehasen aus 2025 von den Naturfans bei einem Voting der Deutschen Wildtier Stiftung zum Wildtier des Jahres gewählt wurde, liegt nahe, macht er doch viel Gutes für die Natur. Die Tiere verbreiten Pflanzensamen weiter, die an ihrem Fell haften oder die sie ausscheiden. Ihre Ernährung von Knospen, Rinden, Waldbeeren, Gräsern und Kräutern schafft im Wald immer wieder kleine sonnige Lichtungen, auf denen sich dann Insekten wie Schmetterlinge, Waldbienen oder -ameisen wohlfühlen. Selbst die Nagetiere haben ihnen eine mineralstoffreiche Futterquelle zu verdanken: die abgeworfenen Geweihe.

Deborah Bechstedt ist Rothirsch-Fan

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